Innovation für das Entlassmanagement: Lohfert-Preis 2022 geht an das Projekt „Patientenbriefe nach stationären Aufenthalten“ von „Was hab‘ ich?“

Hamburg/Dresden – Erneut wurde „Was hab‘ ich?“ für die Idee und Umsetzung einer Software zur komplett automatisierten Erstellung von Patientenbriefen geehrt. Der diesjährige Lohfert-Preis wurde gestern in Hamburg im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung an Ansgar Jonietz, Geschäftsführer und Mitgründer von „Was hab‘ ich?“, überreicht. Dem Sozialunternehmen ist es gelungen, mittels seiner Patientenbriefe eine signifikante Steigerung der Gesundheitskompetenz von Patient:innen zu erzielen. Dass die Idee funktioniert, zeigt der Einsatz der Patientenbrief-Software am Herzzentrum Dresden Universitätsklinik – hier erhalten Patient:innen bereits seit drei Jahren leicht verständliche Patientenbriefe.

Ansgar Jonietz mit Vorstand der Lohfert-Stiftung


Das Projekt verbindet zwei Besonderheiten: die vollständig automatisierte Erstellung der Patientenbriefe mittels Software, die komplett ohne den Einsatz von Klinik-Personal auskommt, und die leicht verständlichen Erläuterungen, die sich direkt an die Patient:innen richten und ihnen sowie Angehörigen ein Verständnis der gestellten Diagnosen und durchgeführten Behandlungen ermöglichen.

„Durch die Automatisierung ist es uns gelungen, die Idee von verständlichen, patientengerechten Entlassbriefen praxistauglich zu verwirklichen. Denn eine Grundprämisse war es, eine Lösung zu finden, die ohne zusätzlichen Zeitaufwand funktioniert und somit an allen Kliniken in Deutschland eingesetzt werden könnte“, erklärt Ansgar Jonietz, „Wir freuen uns außerordentlich über die Ehrung mit dem Lohfert-Preis und hoffen, dass sie weiter dazu beiträgt, patientengerechte, individuelle Gesundheitsinformationen zu einer Selbstverständlichkeit im Entlassmanagement werden zu lassen.“

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, MdB, zeigt sich in seinem Grußwort überzeugt vom Patientenbrief: „Selbstbestimmung, Partizipation, aber auch Adhärenz sind Leitgedanken, die ein patientenorientiertes Gesundheitssystem ausmachen. Das kann nur dann funktionieren, wenn sich alle um eine Kommunikation bemühen, die die Patient:innen mitnimmt, ihnen die Möglichkeit gibt zu verstehen. Der »Patientenbrief« ist dabei entscheidend, denn dank ihm kann man nach einem Krankenhausaufenthalt leichter verstehen, wie untersucht und behandelt wurde […]. Ansgar Jonietz und sein Team verdienen großen Dank dafür, dass sie mit ihrem Projekt »Was hab’ ich ?« genau hier angesetzt und damit die Gesundheitskompetenz von Patient:innen nachhaltig gestärkt haben. Ihr Projekt ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Digitalisierung und Patientenorientierung im Gesundheitssystem sinnvoll zusammen gedacht werden können. So gewinnen alle.“

Auch Jörg Scharfenberg, Geschäftsführer des Herzzentrums Dresden, ist begeistert: „Der Patientenbrief fördert das Verständnis für ärztliche Informationen und stärkt die Gesundheitskompetenz. Das zu unterstützen gehört für uns am Herzzentrum Dresden Universitätsklinik genauso zu den Aufgaben wie die bestmögliche medizinische Versorgung zu gewährleisten.“ Gefördert durch den Innovationsfonds der Bundesregierung hatte „Was hab‘ ich?“ am Herzzentrum Dresden von 2019 bis 2020 eine umfangreiche Studie durchgeführt, evaluiert durch den Bereich Allgemeinmedizin der TU Dresden. Als bedeutsamstes Ergebnis zeigte sich, dass die Patientenbriefe die Gesundheitskompetenz der Patient:innen steigern. Der G-BA entschied daraufhin, Patientenbriefe für die Regelversorgung zu empfehlen. Aktuell verhandeln die Partner:innen des Rahmenvertrags Entlassmanagement über die Umsetzung der Empfehlung.

Die Patientenbrief-Software nutzt für die automatisierte Erstellung ohnehin in der Klinik vorhandene Daten – wie die ICD- und OPS-Codes, welche standardmäßig individuell für alle Patient:innen pro Aufenthalt erfasst werden. Die Software greift selbstständig auf diese Daten zu und verbindet sie mit leicht verständlichen Textbausteinen. Die fertigen, individuellen Patientenbriefe fallen dann aus dem Drucker und können den Patient:innen übergeben werden.

Über „Was hab‘ ich?“
„Was hab‘ ich?“ setzt sich seit 2011 für verständliche und individuelle Gesundheitsinformationen für alle ein und entwickelt dafür praxistaugliche Lösungen. Das Sozialunternehmen mit Sitz in Dresden bietet mit der Website washabich.de eine Anlaufstelle für Patient:innen, die ihre Befunde verstehen möchten. Gleichzeitig bildet es Mediziner:innen in patientenverständlicher Kommunikation aus. Außerdem arbeitet und forscht „Was hab‘ ich?“ an weiteren, massentauglichen Lösungen wie den automatisiert erstellten Patientenbriefen nach dem Klinikaufenthalt.
Über das Herzzentrum Dresden Universitätsklinik
Das Herzzentrum Dresden Universitätsklinik, ein Krankenhaus der Sana Kliniken AG, ist ein Fachkrankenhaus der Maximalversorgung mit 220 Planbetten und ca. 650 Mitarbeitern. Insgesamt werden in den Kliniken für Herzchirurgie sowie Innere Medizin und Kardiologie jährlich rund 13.000 Patienten ambulant und ca. 10.000 Patienten stationär behandelt.

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