DNGfK-Preisträger 2008
1. Preis: Paracelsus Klinik am Schillergarten , Bad Elster
Der Kern des Projektes dieser Reha-Klinik mit 240 Betten und 104 Mitarbeitern ist ein Drei-Säulen-System, das die Themen „Rauchfreie Klinik“, „Bewegung“ und „Ernährung“ in den Mittelpunkt stellt. Jedes Thema wird im Projektplan mit einer klaren Zielsetzung umrissen, durch innovative Maßnahmen umgesetzt und durch regelmäßige Evaluation überprüft.
Legt man die 5 Standards der Gesundheitsförderung, also Management-Grundsätze, Patienteneinschätzung und –information, Mitarbeiterorientierung und regionale Vernetzung, an das eingereichte Projekt an, wird man in allen Bereichen schnell große Übereinstimmung sehen. Allen voran die Einbettung des Themas Gesundheitsförderung in das Qualitätsmanagement und die Managementgrundsätze. Aus dem Projektplan wird ersichtlich, dass die Maßnahmen von der Führungsebene getragen sind, und dass die Verantwortlichkeiten berufsguppenübergreifend verteilt werden. Besonders hervorzuheben ist die Einbindung der Ärzteschaft.
Bereits 2006 wurde die Klinik als erste in Sachsen mit dem Silber-Zertifikat der Rauchfreien Krankenhäuser ausgezeichnet. Die Maßnahmen zur Unterstützung von Rauchern bei gewollter Tabakentwöhnung wurden seither ausgebaut, Mitarbeiter wurden über alle Berufsgruppen hinweg als Raucherberater geschult. Dies allein ist sicher gut und wichtig, aber vielleicht noch nicht preiswürdig. Besonders innovativ empfanden die Jurorinnen und Juroren aber die Bemühung um die Sensibilisierung von Kindern für die Gefahren des Rauchens. Mit der „Geschichte vom kleinen Elefanten“ werden Kinder im Klinik Kindergarten und in der Region ohne erhobenen Zeigefinger an die Problematik des Rauchens herangeführt und so vielleicht auch zu Multiplikatoren, wenn es darum geht die eigenen Eltern beim Aufhören motivatorisch zu unterstützen. Ein solches Projekt lädt zur Nachahmung ein und wird sicher auch die Beispiele guter Praxis im Netz Rauchfreier Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen bereichern.
Beim Thema Bewegung setzt die Paracelsus Klinik am Schillergarten auf Angebote für Patienten, Mitarbeiter und die Einbindung der Region. Durch medizinische Trainingstherapie und Bewegungstherapie konnten die Rückenbeschwerden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung nachweislich erheblich reduziert werden. Im Zusammenspiel mit der regionalen Selbsthilfe werden Bewegungsprogramme zur Nachsorge angeboten, so z.B. mit der Sächsischen und Bayerischen Krebsgesellschaft. Mit Nordic Walking bringt die Klinik nicht nur Patienten sondern auch die Region in Bewegung.
Nun könnte man auch hier sagen, dass viele Einrichtungen diese Ideen verfolgen. Aber immer setzt die Bewerbung der Klinik noch ein innovatives I-Tüpfelchen drauf. So wurden mit regionalen Trägern Wanderwege in verschiedenen Schwierigkeitsgraden ausgeschildert und kartografiert, um die Motivation der gesamten Bevölkerung zum Wandern und Walken zu erhöhen. Dies lässt sich auch an den Teilnehmerzahlen zu den jährlichen Nordic-Walking-Tagen ablesen, die seit Beginn im Jahr 2003 von wenigen Dutzend auf knapp 1000 angestiegen sind.
Mit dem Thema Ernährung schließt sich die dritte Säule des Projektes an. Auch hier denkt das Management weiter als nur an die Einführung einer gesunden Küche. Durch lokale Diätassistenten werden die Mitarbeiter geschult, über die Kostformen Auskunft zu geben und die Menschen dafür zu gewinnen. In der eigenen Lehrküche werden z.B. Onkologiepatienten in der Zubereitung gesunder Kost geschult. Das Projekt „Par-Vital“ verbindet darüber hinaus die Ernährungsangebote mit schriftlichen Informationen, die für eine nachhaltige Wirkung bei den Konsumenten sorgen. In Umfragen gaben 63% der Patienten an, dass sie mit Hilfe von Par-Vital sicher oder wahrscheinlich ihre Ernährung umstellen würden. 69% würden Par-Vital den Angehörigen weiterempfehlen.
All diese Maßnahmen führten dazu, dass auch die Kriterien der Nachhaltigkeit in hohem Maße erfüllt waren. Die Projekte sind auf Dauer angelegt und können gut nachgeahmt werden. Sie fördern in hohem Maße die Selbstkompetenz der Zielgruppen und tragen damit zum Empowerment bei. Zudem ging die Bewerbung auf die Evaluation der Maßnahmen ein und legte entsprechende Nachweise vor.
Kontakt: Frau Rita Bernhardt, Verwaltungsdirektorin, bad_elster@pk-mx.de
2. Preis : Caritashaus Feldberg
Die Ottawa-Charta der WHO beschreibt unter anderem drei vorrangige Handlungsstrategien, die es zu verfolgen gilt: Nämlich Anwaltschaft für Gesundheit, Befähigen und ermöglichen, Vermitteln und vernetzen.
Wenn man sich das Projekt des 2. Preisträgers, dem Caritas-Haus Feldberg anschaut, dann wird man sehr viel von dem entdecken, was die Ottawa-Charta den Verantwortungsträgern – nicht nur im Gesundheitswesen – mitgegeben hat.
Das ausgezeichnete Projekt heißt: Integrierte Versorgung allein erziehender Mütter und ihrer Kinder. Das erste und wichtigste, was den Jurorinnen und Juroren ins Auge fiel, ist das, was man als „Anwaltschaft für Gesundheit“ bezeichnen kann. Hier geht es nicht um Wellness. Hier geht es nicht um Angebote für jene, die es sich leisten können. Hier geht es um Vorsorge und Rehabilitation jener, die in unserer Gesellschaft besonders benachteiligt sind. Und die dringend Anwälte für ihre Gesundheit brauchen.
Das interdisziplinäre Therapiezentrum Caritas Haus Feldberg hat auf der Grundlage von Studien den besonderen Bedarf bei allein erziehenden Müttern erkannt und darauf ein umfassendes Behandlungskonzept abgestimmt. Daraus entstand ein multimodaler Therapieansatz, der auf dem biopsychosozialen Modell und einer ganzheitlichen Betrachtungsweise fußt. Das heißt, es geht zum einen um die Mütter, zum anderen um die Kinder und zum dritten um die Mutter-Kind-Beziehung.
Ziel ist es während des Aufenthaltes nicht, ein Behandlungsschema ablaufen zu lassen, sondern sehr genau die individuellen Bedürfnisse der Mütter und Kinder kennen zu lernen. Besondere Berücksichtung finden die typischen psychischen und sozialen Bedingungen bei Frauen, angepasst an alterstypische Einstellungen, Interessen und Kompetenzen. Unter der Leitidee der „Hilfe zur Selbsthilfe“, kommt der aktiven Mitwirkung der Patientinnen eine besondere Rolle zu. Es geht darum Kompetenzen zu vermitteln um die persönliche Gesundheit und Lebensqualität wieder zu erlangen und zu erhalten.
Damit erfüllt das Projekt auch die 2. Handlungsstrategie der Ottawa-Charta: „Befähigen und Ermöglichen.“ Schließlich erfolgt in dem Projekt im Sinne der Nachhaltigkeit auch das, was die Ottawa-Charta „Vermitteln und Vernetzen“ nennt. Mit einer therapeutischen Kette aus ambulanter Vorbereitung, stationärer Behandlung und einer ambulanten Nachsorge hat das Caritas-Haus ein Netzwerk aus Beratungsstellen, Haus- und Kinderärzten und Selbsthilfegruppen aufgebaut. Durch Befragungen wird die Ergebnisqualität der Intervention dokumentiert und zeigt erstaunliche Wirkungen.
Die Jury war insgesamt von der konsistenten Darstellung des Projektes beeindruckt. Die Einrichtung zeigt, wie in einem schwierigen Umfeld eine wegweisende Arbeit gelingen kann.
Kontakt: Dr. Wilhelm Ulrich, w.ulrich@caritas-haus-feldberg.de
3. Preis: Stiftungsklinikum Mittelrhein, Koblenz
Werde ich das wohl je wieder können? Fragt sich so mancher, der nach einem Unfall aus dem Arbeitsleben gerissen wird. Im Stiftungsklinikum Mittelrhein, gab es viele Gründe sich mit den Sorgen der dort behandelten berufsgenossenschaftlichen Unfallpatienten zu befassen.
Seit langem schon engagiert sich das Stiftungsklinikum in Koblenz mit innovativen Maßnahmen und Projekten der Gesundheitsförderung und wurde dafür bereits mehrfach mit dem DNGfK-Preis ausgezeichnet. Das besondere daran ist, dass es sich in der Gesamtschau nicht um Einzelprojekte handelt, sondern dass immer das eine auf dem anderen aufbaut und sich in ein nachhaltiges Gesamtkonzept fügt. So ist es auch mit dem hier ausgezeichneten Projekt „RehaJob“.
Die Berufsgenossenschaftliche Stationäre Weiterbehandlung, die im SKM stattfindet, ist häufig die letzte Maßnahme vor der Wiedereingliederung in das Arbeitsleben. Dabei ist der eigentliche Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag die große Herausforderung und häufig eine große Belastung für den Rehabilitanten. Meist bestehen noch Einschränkungen, die den Arbeitsprozess belasten. Nach langer Abwesenheit kann sich das Arbeitsfeld verändert haben, oder man ist nicht mehr am gleichen Platz einsetzbar. Kollegen haben gewechselt oder sind mit der erforderlichen Unterstützung überfordert. So passiert es häufig, dass die Rehabilitanten die eigenen Belastungsgrenzen überschreiten. Krankheitsphasen bleiben bestehen und die Leistungsfähigkeit bleibt eingeschränkt – zusätzlich zu den psychischen Belastungen, die damit einhergehen.
Das Konzeptentwicklungsteam im SKM fand dafür eine bisher einmalige Lösung und entwickelte mit der Handwerkskammer in Koblenz die erste Kombination von medizinischer und beruflicher Rehabilitation in Deutschland. Praktisch bedeutet dies, dass die Rehabilitanten in der Klinik an der medizinischen Reha teilnehmen und gleichzeitig vormittags einige Stunden in den Lehrwerkstätten der Handwerkskammer verbringen. Dort wird die berufliche Tätigkeit unter angemessenen Belastungsstufen geübt und geschult. Die Ausbilder der HwK wurden im Konzept Rehajob geschult und können so auch qualifizierte Rückmeldung über die körperliche und auch psychische Belastbarkeit und Motivation geben. Das Gesamtbild wird durch Einschätzungen in der Klinik aber auch zusätzlich durch Selbsteinschätzungen des Patienten abgerundet.
Rehajob hat hat für alle Beteiligten Vorteile:
· Der Rehabilitant verlässt frühzeitig die Patientenrolle
· Er wird vom Behandelten zum Handelten
· Es kann ein individueller Übergang von Reha zum beruflichen Alltag gestaltet werden
· Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, direkt in neue Tätigkeitsfelder oder Berufe eingearbeitet zu werden.
· Es bedeutet aber auch für die BG und den Betrieb eine Verkürzung des Heilverfahrens und mehr Sicherheit in der Wiedereingliederung.
· Die Chance überhaupt wieder eingegliedert zu werden kann dadurch Patienten geboten werden, für das System bisher nicht ausreichend Unterstützung vorgesehen hatte.
Für die Klinik bedeutet es, dass die Patienten im Haus weiterbehandelt werden können und die Klinik durch die gebotene Qualität insgesamt attraktiver wird. Die Patienten sind durch die besseren Aussichten und die individuelle Unterstützung zufriedener.
Mit Rehajob ist so eine ganzheitliche Behandlung für berufsgenossenschaftliche Unfallpatienten geschaffen worden, die sowohl die berufliche aber auch die gesellschaftliche und familiäre Rehabilitation einschließt. Das Projekt basiert auf einem intensiven und stabilen Prozess der Umsetzung einer gesundheitsfördernden Gesamtzielsetzung des Stiftungsklinikums Mittelrhein in Koblenz.
Kontakt: Renate Hülsmann, rhuelsmann@stiftungsklinikum.de

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